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21.11.2018 Von: Isabelle Richter

Graffiti-Kunst in der Unterführung

Vier große Bilder verschönern seit Dienstag den Durchgang am Jüterboger Bahnhof – Wiesenschüler steckten eine Woche Arbeit in das Projekt


Foto: Isabelle Richter

Der Jüterboger Bahnhof ist seit Dienstag um eine Attraktion reicher. Insgesamt vier große Bilder mit moderner Graffiti-Kunst schmücken seitdem die nackten Fliesen der bisher eher tristen Bahnunterführung. Verantwortlich für die stylischen Motive ist eine Gruppe Neuntklässler der Jüterboger Wiesenschule. Initiiert wurde das Kunst-Projekt vom Quartiersmanagement des Stadtteils Jüterbog II mit Unterstützung der Stadtverwaltung und der Deutschen Bahn. Es ist Teil des Förderprogramms „Soziale Stadt“, welches vor rund drei Jahren aufgenommen wurde. „Die Idee, den Bahnhof zu verschönern, gibt es schon länger“, erklärte Stadtplanerin Alexandra Valentin am Dienstagnachmittag. Vor genau einem Jahr wurde das Graffiti- Projekt angeschoben. Für die Umsetzung holten sich die Initiatoren die Künstlerinnen Wenke Richter und Anika Raaz aus Senftenberg mit ins Boot. Beide haben bereits Erfahrung mit der Sprühflasche und im Umgang mit Jugendlichen. Gemeinsam mit den Jüterboger Wiesenschülern wurde das Projekt dann im September angepackt. Innerhalb von einer Woche entstanden die vier verschiedenen Motive im Jugendclub Jüterbog II. Die Schüler wurden dazu stundenweise vom Unterricht freigestellt. „Ich war ganz begeistert, was dabei herausgekommen ist“, berichtet Alexandra Valentin. Bis zu ihrer Anbringung am Bahnhof waren die Bilder im neuen Stadtteiltreff in Jüterbog II ausgestellt. Auch bei der älteren Generation kam das Ergebnis gut an. Erich Claasen erklärte am Dienstag: „Da können sich die jungen Leute wirklich was drauf einbilden. Ich finde es ist eine super Idee.“ Zudem hinterlasse die farbenfrohe Kunst auch bei ankommenden Touristen ein neues Willkommensgefühl. Schließlich sei der Bahnhof „das Eingangstor zur Stadt“, so Claasen. Für die Wiesenschüler war der Anblick ihrer eigenen Kunstwerke in der Öffentlichkeit dagegen noch etwas befremdlich. Normalerweise bekommen die nämlich nur ihre Lehrer oder Mitschüler zu sehen. Stolz sind sie trotzdem – immerhin verstecken sich in jedem der Bilder ihre Initialen. Und auch der Aufwand war vom Ausschneiden der verschiedenen Schablonen bis hin zur richtigen Farbauswahl ziemlich groß. Passend zum Motto „Mein Jüterbog“ haben die Schüler Sehenswürdigkeiten wie die Nikolaikirche oder das Zinnaer Tor in ihre Bilder eingearbeitet und sie auf ihre ganz eigene Art in Szene gesetzt. „Es macht Spaß, man kann sich neu erfinden“, so Pierre Keinitz über das Graffiti-Projekt. Im Bild von seinen Mitschülerinnen Julia Amler und Emily Wache finden sich sogar die Fläming-Skate und ein Retro-Rollschuh wieder. Julia Amler kam auf die Idee, weil sie selbst regelmäßig skaten geht. Auch Schulleiter Ralf Mund war vom künstlerischen Talent seiner Schüler sehr angetan. „Ich stehe hier mit viel Freude und Respekt für eure Leistung“, erklärte er am Dienstag am Bahnhof. Bürgermeister Arne Raue (parteilos) konnte dem nur zustimmen, äußerte aber auch seine Bedenken zum Thema Vandalismus. „Ich hoffe sehr, dass man eure Arbeit anerkennt und dass uns die Werke erhalten bleiben“, so Raue.

 

Quelle: MAZ, Jüterbog, vom 21.11.2018, Autorin: Isabelle Richter