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16.08.2019 Von: Hartmut F. Reck

Lehrer kritisiert Umzug

Simon Stalter hält die Pestalozzischule als Ausweichquartier für die Wiesenschüler für ungeeignet – Mängel und Gefahrenquellen machen einen geregelten Unterricht unmöglich


Foto: Isabelle Richter

„Zufrieden ist keiner“, lautet das nüchterne Fazit von Simon Stalter zwei Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres. Der 59- Jährige ist seit 2016 Musiklehrer an der Jüterboger Wiesenschule und unterrichtet seine Schüler aktuell in den Räumen der leerstehenden Pestalozzischule. Diese soll für mindestens zwei Jahre als Ausweichquartier für die Wiesenschüler dienen, weil ihr eigentliches Domizil dringend saniert werden muss. Dass der Umzug mit mehr als 340 Wiesenschülern in die Räume der ehemaligen Förderschule, die nur rund 80 Schüler beherbergte, nicht einfach wird, war Lehrern und Schülern von vorn herein bewusst. Allerdings zeige sich nun, dass die Stadt mit der Planung offenbar überfordert ist. Denn am Ausweichquartier gibt es vieles zu kritisieren. Simon Stalter berichtet von unzumutbaren Zuständen für Schüler und Lehrer. Fehlende Tafeln, zu wenige Toiletten, dazu Gefahrenquellen seien nicht hinnehmbar. „Es gibt auch Grenzen“, so Stalter. Bei einem befreundeten Ingenieur hat sich der 59-Jährige informiert und die entsprechenden Normen für einen geregelten Schulbetrieb mit den Tatsachen in der Pestalozzischule verglichen. Ein Beispiel: Die Toilettensituation. Laut Norm liege die Mindestanzahl bei hoher Gleichzeitigkeit der Nutzung für 221 bis 250 Personen bei 19 Toiletten – für je weitere 30 Personen müssten zwei Toiletten zur Verfügung gestellt werden, sagt er. Vorhanden seien aktuell abernur 14 WCs. Laut Stalter zu wenig – zumal der Toilettenbesuch ein Grundbedürfnis sei. Zwei Toilettencontainer wurden zwar aufgestellt, diese sind aber ohne Wasser- und Abwasser- sowie Stromanschluss nicht nutzbar. Darüber hinaus sei auch der Schulhof laut Stalters Recherchen zu klein. Statt mindestens 1200 Quadratmetern Pausenfläche, hätten die Wiesenschüler nur 600 Quadratmeter zur Verfügung. Die Neunt- und Zehntklässler dürfen sich deshalb auch auf dem ehemaligen Sportplatz aufhalten, der gegenüber der Schule neben der Turnhalle liegt. Allerdings lauert dort das nächste Problem. Um den Alternativschulhof zu erreichen, müssen die Schüler die Straße Hinter der Mauer überqueren – wieder eine Gefahrenquelle. Der Abschnitt wurde inzwischen jedoch als Spielstraße ausgewiesen und mit einer Verengung versehen. Dies sei aber erst auf Simon Stalters Androhung geschehen, einen Gutachter des Generalversicherers dort hinzubestellen. „Wenn man den herzitiert hätte, wäre das ganze Ding geplatzt“, so Stalter über den Umzugsplan der Stadt. Aus seiner Sicht sei das Bauamt schlichtweg überfordert. Bei den vielen Baustellen sei dies auch kein Wunder. Allerdings findet Stalter, dass man den Umzug von 347 Schülern nicht mal eben so nebenbei planen könne. Ein Gespräch mit Bürgermeister Arne Raue (WsJ) im Frühjahr hätte jedoch nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Als Simon Stalter dort bereits die Problematiken andeutete, sei dieser regelrecht aus seinem Anzug gefahren. „Er hat gesagt, wenn etwas passiert, nimmt er das auf seine Kappe. Aber er kümmert sich nicht und nimmt eine Gefährdung in Kauf“, so der Musiklehrer. Der Bürgermeister wollte sich am Donnerstagabend zu der Kritik am Telefon nicht äußern, kündigte aber eine Stellungnahme für die kommenden Tage an.

 

Quelle: MAZ, Jüterbog, vom 16.08.2019, Autor: Hartmut F. Reck