Zum Inhalt springen
20.02.2019 Von: Uwe Klemens

Australien im Klassenzimmer

Projektwoche an der Wiesenoberschule soll auf spielerische Weise soziale Kompetenzen vermitteln


Foto: Uwe Klemens

„Was würde passieren, würde es plötzlich auf längere Zeit keinen Strom mehr geben?“, fragt Sebastian David in den Klassenraum. „Ohne Strom käme kein Wasser aus der Leitung und auch mit der Kommunikation per Handy wäre es aus“, fügt er hinzu. Das Gedankenspiel ist der Einstieg in sein Thema: Die Kommunikation der australischen Ureinwohner vor tausenden von Jahren mit Hilfe des Didgeridoo. Die Begegnung mit dem fernen Kontinent ist eins von drei Themenfeldern, für das sich die Neuntklässler der Jüterboger Wiesenschule im Rahmen einer Projektwoche entscheiden konnten. Exakt die Hälfte der 84 Mädchen und Jungen, so viele wie noch nie, entschieden sich dabei für die Fahrt nach London, um dort das Leben in einem fremden Land kennenzulernen. Die restlichen Schüler wählten etwa zur Hälfte das Australien-Projekt beziehungsweise die Fairness- Sportart Rugby. „Ziel der jährlichen Projektwoche ist, den Schülern den Raum zu geben, ihre Sozialkompetenz weiterzuentwickeln, ohne dass sie es mitkriegen“, erläutert Sven Schulze, stellvertretender Schulleiter der Wiesenschule, den Hintergrund. Im Rahmen des Förderprogramms „Initiative Sekundarstufe“ (Inisek) mit Mitteln der Europäischen Union gefördert und vom Diakonischen Werk des Landkreises konzeptionell unterstützt, kann sich die Schule geeignete Referenten mit ins Boot holen. Der Wiesenburger Klang-, Theater- und Skulpturenkünstler Sebastian David war einer von ihnen. Trotz des eingangs eher mäßigen Interesses am Didgeridoo hatte er bereits wenig später die Schüler auf seiner Seite. Dass die ältesten Instrumentenfunde 40 000 Jahre alt sind, beeindruckte die Jugendlichen ebenso wie die Technik der Tonerzeugung. Mit einfachen Wasserrohren aus dem Baumarkt konnte es jeder hinterher selbst probieren. „So klang Disco vor 40 Jahrtausenden“, zeigte sich David vom Lernerfolg seiner Schüler begeistert. Zwei Tage lang werden die Baumarkt- Instrumente nun noch nach traditioneller Schmucktechnik der Aborigines gestaltet und die Spieltechnik verfeinert. Als sportlicher Ausgleich dient das auch in Australien beliebte Baseball-Spiel. „Respekt, Fairness, Disziplin, Leidenschaft und Solidarität“ nennt Rugby-Landestrainer Robby Lehmann als die wichtigsten Werte seiner Sportart, dem dritten Angebot der Projektwoche. Bereits vor einem Jahr hatte der Potsdamer in der Wiesenschule das Rugby-Fieber entfacht. Obwohl aus der damals angedachten Gründung einer Arbeitsgemeinschaft nichts wurde, knüpft die Projektwoche an diese Begeisterung an. „Unterm Strich geht es auch bei uns um die Stärkung sozialer Kompetenzen“, so Lehmann. „Da Schüler für Sport begeisterungsfähig sind, können wir sie gut erreichen und diese Werte vermitteln.“

 

Quelle: MAZ, Jüterbog, vom 20.02.2019, Autor: Uwe Klemens